„Im Alltag hat nur eine geringe Chance zu bemerken, dass ein Kind nicht richtig sieht“

Michael Scheel, Kinderarzt aus Wremen im Landkreis Cuxhaven spricht über seine Erfahrungen mit dem apparativen Sehscreening und warum er Eltern ans Herz legt, ihre Kinder auf Sehstörungen untersuchen zu lassen.

Michael Scheel hat seit 2014 eine Kinderarztpraxis an der Nordseeküste, zwischen Bremerhaven und Cuxhaven. Seit 2015 führt er in seiner Praxis das apparative Amblyopiescreening mit dem Plusoptix Vision Screener durch. Im Jahr werden in seiner Praxis, so schätzt er, 300 bis 400 Kinder untersucht – ab der U5. „Als eines der ersten Kinder, die wir mit dem Vision Screener gemessen haben, hatten wir meinen damals 11 Monate alten Sohn zum Amblyopiescreening – das Ergebnis: „Auffällig“.

Im Alltag lassen sich Sehstörungen nicht leicht entdecken, das ist ein Risiko

„Wie fast alle Eltern hatten auch wir nicht den leisesten Verdacht auf eine Sehstörung und bei meinem Sohn bestand eine hochgradige Fehlsichtigkeit auf einem Auge. Wir waren damals sehr erstaunt über das auffällige Ergebnis, denn in unserer Wahrnehmung hatte unser Sohn sich völlig unauffällig verhalten. Das gut sehende Auge hatte alles ausgeglichen“, berichtet  Herr Scheel.

„Es ist wichtig zu verstehen, dass man im Alltag nur eine geringe Chance hat, zu bemerken, dass ein Kind nicht richtig sieht. Babys können oft selbst sehr starke Sehstörungen so gut ausgleichen, dass es den Eltern und auch den Lehrern oder Erziehern nicht auffällt.“ Deshalb werden viele Sehstörungen erst entdeckt, wenn in der Schule Probleme auftreten. Doch dann ist die Entwicklung des „Sehen lernens“ fast abgeschlossen und eine Behandlung von Sehstörungen sehr viel schwieriger.

Ein wichtiger Vorteil: die Messung ist unkompliziert und kinderfreundlich

Als entscheidenden Vorteil des apparativen Amblyopiescreenings mit Plusoptix sieht Herr Scheel die unkomplizierte Messung: „Das geht schnell, einfach und kontaktlos. Auch für die Eltern spart das Zeit und Aufwand, wenn sie das Amblyopiescreening im regulären Ablauf der Vorsorgeuntersuchung erledigen können und dafür nicht extra zum Augenarzt müssen. Lange Wartezeiten und eventuell auch das unangenehme Weittropfen der Augen müssen für das Amblyopiescreening nicht sein.“

Die Messung mit dem Plusoptix Vision Screener erfolgt berührungslos und unabhängig von der Kooperation des Kindes. Manche Babys nehmen nicht einmal wahr, dass sie untersucht werden.

Werden im Amblyopiescreening Auffälligkeiten entdeckt, dann übernimmt ein Augenarzt die weitere Diagnose und Behandlung. Alle Untersuchungs- und Behandlungskosten, die hierbei entstehen, trägt die Krankenkasse. Herr Scheel rät Eltern in diesem Fall: „Es ist wichtig, dann Augenärzte zu wählen, die ausreichend Erfahrung mit Kindern haben. Wir überweisen eigentlich nur noch zu Augenarztpraxen mit Sehschule. Dort arbeiten Orthoptisten/-innen, Fachkräfte, die auf das richtige Sehen spezialisiert sind und ausreichend Erfahrung mit Kindern haben.“

Melden sich Eltern mit Ihrem Neugeborenen in Herr Scheels Praxis an, erhalten sie bereits erste Informationen zum Ambylopiescreening. Bei der U5, etwa im sechsten bis siebten Lebensmonat, sprechen die Medizinischen Fachangestellten das Thema nochmals mit den Eltern an, die dann entscheiden, ob sie das Angebot in Anspruch nehmen möchten. Einige Krankenkassen bieten das Screening bereits im Rahmen von kostenlosen und freiwilligen Selektivverträgen an, ansonsten wird es als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) abgerechnet. „Es wäre wichtig, dass mehr Krankenkassen die Kosten für das Amblyopiescreening übernehmen,“ erklärt Michael Scheel, „denn für manche Eltern stellt es eine so große finanzielle Belastung dar, dass sie auf die wichtige Untersuchung verzichten.“

Unentdeckte Sehstörungen können eine Amblyopie zur Folge haben

Das Amblyopiescreening bietet eine Möglichkeit zur frühzeitigen Erkennung von Sehstörungen. Die am häufigsten auftretenden Amblyopie-Risikofaktoren bei Kindern sind das Schielen und eine stark unterschiedliche Sehkraft der Augen, Aber auch andere Ursachen können eine Amblyopie verursachen. In der Praxis von Herr Scheel zeigte sich, dass es auch viele Kinder gibt, die eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) haben. Bei der Hornhautverkrümmung (Astigmatismus), ist die Hornhaut auf einem oder beiden Augen zu stark oder unregelmäßig gekrümmt. Auf der Netzhaut entsteht so ein nur unscharfes Bild. Ist die Verkrümmung nur auf einem Auge, liegt auch hier wieder ein starkes Risiko für eine Amblyopie vor: Das Gehirn bedient sich nur der Bilder des einen Auges, die des anderen blendet es aus.

Frühzeitige Entdeckung ermöglicht meist schnellere Behandlungserfolge

„Das älteste Kind, bei dem wir dank des apparativen Screenings eine Sehstörung entdeckten, war übrigens acht Jahre alt – auch das zeigt, wie unauffällig die Sehstörungen im Alltag sind. Grundsätzlich versuchen wir, mögliche Sehstörungen so früh wie möglich zu entdecken und zum Augenarzt zu überweisen  und zu behandeln. Die Erfolge sind größer und man muss auch nicht so lange therapieren“, berichtet Michael Scheel. „Entdecken wir etwa eine Amblyopie oder ein Amblyopierisiko in den ersten zwei bis drei Lebensjahren, hilft oft schon eine kurze Therapie beim Augenarzt – meist durch das Abkleben des gesunden Auges mit einem Pflaster (Okklusionstherapie) über zwei bis drei Monate hinweg. Eine Ausnahme ist vielleicht das Schielen, da kann es mit der Behandlung länger dauern.“

Nach dem dritten Lebensjahr sind große Teile der Entwicklung des Sehens bereits abgeschlossen, eine Amblyopie hat sich vielleicht schon entwickelt. Entsprechend schwieriger gestaltet sich die Behandlung. Bei einem älteren Kind, etwa mit fünf oder sechs Jahren, ist nur eine Amblyopieerkennung mit schlechteren Behandlungschancen möglich, trotz längerer Okklusionszeiten .

Das Gespräch mit Herrn Scheel hat deutlich gemacht, wie schwierig Sehstörungen im Alltag zu entdecken sind – und wie unkompliziert ein frühzeitiges Ambylopiscreening beim Kinderarzt durchgeführt werden kann.

Wann wart Ihr zum letzten Mal mit eurem Kind bei der Augenvorsorge?

Mehr Informationen dazu unter www.augenvorsorge.info

 

Weitere Informationen:

Homepage der Praxis von Michael Scheel

Artikel zu Astigmatismus

Informationen zum Plusoptix Vision Screener

Gerätebasiertes Amblyopiescreening: Sehstörungen bei Kindern sicher entdecken

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Gerätebasiertes Amblyopiescreening: Sehstörungen bei Kindern sicher entdecken – Im Gespräch mit Kinderarzt Dr. Andreas Baumann aus Öhringen

In der Praxis, die Dr. Andreas Baumann mit seinem Kollegen Dr. Robert Wagner und seiner Kollegin Dr. Anja Hauser im nordwürttembergischen Öhringen betreibt, kommen jedes Quartal rund 4.500 Patienten. Das Einzugsgebiet ist groß – die ganze Region im Jagsttal rund um Künzelsau und Bad Mergentheim aber sehr klein. Kinderärzte gibt es nur wenig. „Nicht wenige unserer Patienten müssen für einen Besuch beim Kinderarzt 40 Kilometer fahren“, berichtet Andreas Baumann, als wir ihn um einen Einblick in den Praxisalltag bitten. Dann schildert er, wie seine Kollegen und er die Augenvorsorge für ihre Patienten vornehmen. „Gerätebasiertes Amblyopiescreening: Sehstörungen bei Kindern sicher entdecken“ weiterlesen

Wie wir unsere Augen im digitalen Zeitalter schützen

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Heutzutage verbringen die Deutschen durchschnittlich 643 Minuten am Tag mit audiovisuellen Medien, das entspricht circa 10,5 Stunden![1] Auch für  Kinder ist es schon normal bis zu drei Stunden am Tag mit dem Handy zu verbringen. Die Zahlen sind alarmierend.[2]

Fakt ist: Beim Aufstehen, tagsüber und auch wenn wir ins Bett gehen, unser Smartphone begleitet uns überall.

Wenn Sie auch zu denjenigen zählen, die mehr als drei Stunden am Tag mit dem Smartphone, vor dem Computer, dem Laptop oder auch vor dem Fernseher verbringen, besteht die Gefahr,  dass Sie dem Risiko einer digitalen Augenbelastung, dem sogenanntem Computer Vision Syndrom, ausgesetzt sind. Dies stellt eine Kombination von Augen- und Sehproblemen durch die regelmäßige Nutzung von digitalen Geräten dar.[3] Auch die Ausbildung einer Kurzsichtigkeit kann durch die ständige Nutzung digitaler Medien begünstigt werden, denn das künstliche bzw. das blaue oder violette Licht ist schlecht für die Gesundheit unserer Augen. Diese Probleme sind heutzutage immer öfter zu beobachten – vor allem auch bei Kindern und Jugendlichen.

Doch wie erkenne ich  die ersten Symptome der Sehstörung und wie kann ich mich davor schützen? Das erfahrt ihr in unserem folgenden Blogbeitrag. „Wie wir unsere Augen im digitalen Zeitalter schützen“ weiterlesen

Ein Recht auf Augenlicht: Die WHO-Initiative Vision2020

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Weltweit sind etwa 36 Millionen Menschen blind, und rund 217 Millionen haben eine mäßig schwere oder schwere Sehbehinderung.1  Rund die Hälfte davon ist von einer nicht korrigierten Fehlsichtigkeit betroffen2 – sie bräuchten also einfach eine Brille oder Sehhilfe, um besser zu sehen.  Armut und schlechte augenärztliche Versorgung machen dies in vielen Regionen aber unmöglich. Über 80% der Fälle von Erblindung gehen auf mangelnde gesundheitliche Versorgung zurück, und ließen sich durch frühzeitige Behandlung vermeiden.2 Gleichzeitig sind die Auswirkungen von Blindheit und Sehbehinderung umso drastischer, je schlechter Versorgung und gesellschaftliche Inklusion in der jeweiligen Region sind.

Deshalb widmet sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 1999 mit dem Programm Vision2020 der Überwindung vermeidbarer Blindheit und der Verbesserung der Situation für Menschen mit Sehbehinderung. „Ein Recht auf Augenlicht: Die WHO-Initiative Vision2020“ weiterlesen

Stellt euch vor ihr besucht den Weihnachtsmarkt – und euer Kind kann nicht alles sehen

In der Weihnachtszeit gibt es vor allem für Kinderaugen besonders viel zu entdecken. Die Kleinen staunen über bunte Lichter, verlockende Süßigkeiten und spannendes Spielzeug. Auch auf dem Weihnachtsmarkt ist für Kinder viel geboten. Ob Karussell, Eisenbahn oder Riesenrad, hier kann man sich richtig austoben. Aber was ist, wenn ein Kind diese ganzen tollen Eindrücke gar nicht wahrnehmen kann?

„Stellt euch vor ihr besucht den Weihnachtsmarkt – und euer Kind kann nicht alles sehen“ weiterlesen

Woher soll Ihr Kind wissen, dass es schlecht sieht?

Schlecht sehen ist nicht schmerzhaft deswegen beschweren sich die meisten Kinder nicht über ihre schlechte Sehfähigkeit.

Fast jedes fünfte Kind im Alter von 4 Jahren hat eine unerkannte Sehbeeinträchtigung. Dieser hohe Anteil erscheint überraschend, doch im Gegensatz zu anderen Krankheiten gibt es bei Sehstörungen oft keine äußerlichen, für die Eltern erkennbaren Symptome.[1]

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Augenvorsorge bei Kindern: frühzeitige Erkennung von Sehstörungen ist entscheidend

– Ein Interview mit Christa Kampf, Orthoptistin in einer Augenarztpraxis –

Sehstörungen sind eines der häufigsten gesundheitlichen Probleme bei kleinen Kindern. Etwa jedes fünfte Kind im Alter von zwei bis drei Jahren hat eine Sehstörung.[1] Dazu kommt: 60% der Sehstörungen  bei Kindern werden zu spät erkannt.[2] 

Wie wir bereits in unserem Beitrag https://plusoptix.blog/2018/08/08/augenvorsorge-bei-kindern-fruehzeitige-erkennung-von-sehstoerungen-ist-entscheidend/ berichtet haben,  fällt es Eltern oft schwer eine Sehstörung bei ihrem Kind zu erkennen und eine vorgeschriebene augenärztliche Vorsorgeuntersuchung für Kinder gibt es in Deutschland nicht. Eltern müssen hier selbst aktiv werden. Orthoptistin Christa Kampf aus Straubing arbeitet seit über 40 Jahren in der Augenvorsorge bei Kindern und erklärt im Interview, worauf Eltern bei ihren Kindern achten sollten.

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„Der Vorteil ist, dass ich schnell objektive Daten erhalte“ – gerätebasierte Augenvorsorge aus Sicht eines Kinderarztes

Kinderarzt mit Sthetoskop

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von Dr. Hubert Schmid, Kinderarzt aus Pfarrkirchen.

Unter Deutschlands Ärzten ist es immer wieder Thema, dass es hierzulande keine verbindlich vorgeschriebene Vorsorge-Untersuchung für Kinder beim Augenarzt gibt. Jüngst plädierten die  Augenärzte Joachimsen, Gross und Lagrèze von der Universitätsklinik für Augenheilkunde in  Freiburg, für ein flächendeckendes Amblyopie-Screening im Kindesalter. Konsequent durchgeführt, bietet dies eine effektive Methode zur Prävention von Amblyopie (Schwachsichtigkeit). Dabei verdeutlichten Sie die Bedeutung der Video- bzw. Photorefraktometrie.[1] Auch Prof. Oliver Ehrt, (Augenklinik der LMU München) unterstreicht den Nutzen des Verfahrens als „sinnvolle Ergänzung der Augenvorsorgeuntersuchung“.[2]

Bereits heute kommt die Video- bzw. Photorefraktometrie in zahlreichen Kinderarztpraxen im Rahmen des gerätebasierten Amblyopie-Screenings zum Einsatz. Wie sich der Einsatz von Amblyopie-Screeninggeräten, wie den Geräten von Plusoptix, in der Praxis gestaltet, darüber gibt uns ein Kinderarzt Einblicke aus erster Hand.

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