Warum Augenvorsorge auf die Checkliste fürs neue Schuljahr gehört

Busse und U-Bahnen sind wieder voll, es herrscht Gedränge in den Schreibwarenläden, neue Stundenpläne, Fächer und Herausforderungen stehen bevor: Die Schule hat wieder begonnen.

Kinder, Eltern und Lehrkräfte bewegen nun viele Fragen: Wer wird neuer Klassenlehrer oder neue Klassenlehrerin? Wie viele lange Nachmittage gibt es? Wer unterrichtet die Klasse in Mathe? Eine Frage, die – bisher zumindest – meist nicht dazu gehört: Wie gut kann das Kind sehen?

Weltweit sind immer mehr Kinder und Jugendliche kurzsichtig

Dabei wird das Thema für Schulkinder immer wichtiger: Das richtige Sehen ist die Basis für gutes Lernen, denn rund 90% der Sinneseindrücke nehmen wir über den Sehsinn auf. Zugleich ist die Kurzsichtigkeit (Myopie) weltweit immer weiter auf dem Vormarsch – gerade bei Schulkindern ist die Tendenz deutlich steigend.

Wirklich dramatisch ist die Lage in Asien, dort sind 95 % der Jugendlichen kurzsichtig.[1] Doch auch hierzulande steigen die Zahlen kurzsichtiger Kinder und Jugendlicher: Mehr als jedes dritte Schulkind ist kurzsichtig und bei Studenten sogar die Hälfte[2].

Auch wenn die Ursachen und Hintergründe noch nicht vollständig erforscht sind, zeichnen sich einige grundlegende Zusammenhänge ab. Zum Beispiel kann eine Vererbung die Kurzsichtigkeit der Nachkommen begünstigen: So liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Kurzsichtigkeit für ein Kind, dessen Eltern beide kurzsichtig sind, bei 60% gegenüber 10 % bei Kindern, deren Eltern nicht kurzsichtig ist. Doch allein durch genetische Faktoren lässt sich der dramatische Anstieg von Myopie nicht erklären. Vielmehr scheint unsere Lebensart ein wichtiger Faktor für die Entwicklung des Sehens.

Wie sollte man mit dem steigenden Myopie-Risiko umgehen?

Einerseits ist gut belegt, dass die vielen Aktivitäten, bei denen wir auf die Nähe fokussieren – eine Kurzsichtigkeit begünstigen. [3] Neben Lesen und Lernen, verbringen Kinder zu viel Zeit mit Tablets oder Handys – und das ebenfalls in Nahsicht. Entgegenwirken kann dem nur das natürliche Tageslicht, denn das Spielen im Freien kann einen positiven Beitrag zum Schutz leisten. Wenn Kinder sehr lange in die Nähe fokussieren, hilft ihnen das Spielen im Freien sowohl mit dem Blick in die Ferne, als auch mit der Farbe des Tageslichts. Denn das Aufhalten im Tageslicht kann sich verzögernd auf die Entwicklung einer Sehstörung auswirken. Grund dafür ist der hohe Gehalt an blauer Farbe in natürlichem Licht. Dieses regt die Netzhaut an und Dopamin wird ausgeschüttet. Dopamin steuert das Wachstum des Augapfels und hilft ihm seine runde Form beizubehalten. Und die Form des Augapfels wiederum hat Auswirkungen auf die Entwicklung einer Sehstörung. Deshalb ist es vor allem im Kindesalter besonders wichtig möglichst viel Zeit im Freien zu verbringen.[4]

Kinder sollten mehr im Freien spielen

Natürlich soll es nicht darum gehen, Kindern das Lesen abzugewöhnen. Auch können wir übergreifende Entwicklungen in unserem Lebensalltag, wie etwa die fortschreitende Nutzung digitaler Medien nicht aufhalten.

Wie können wir aber mit dem gewachsenen Myopie-Risiko sinnvoller Weise umgehen? Sinnvoll ist es, Kinder zu mehr Aktivitäten anzuregen, bei denen auch der Blick in die Ferne zum Zuge kommt, etwa bei körperlicher Bewegung – ganz besonders draußen im Freien. Wichtig ist aber auch, die individuelle Situation des Kindes zu erkennen: Kann das Kind gut sehen? Dies kann eine regelmäßige Augenvorsorge beantworten. Die Augenvorsorge sollte regelmäßig wiederholt werden, denn eine Sehstörung, wie die Kurzsichtigkeit, kann sich auch erst im Schulalter entwickeln und immer weiter fortschreiten.

Kurzsichtigkeit bei Kindern frühzeitig erkennen

Von Kurzsichtigkeit (Myopie) sprechen wir, wenn Gegenstände in der Nähe scharf gesehen werden und in der Ferne unscharf erscheinen. Sie entsteht, wenn der Augapfel zu sehr in die Länge wächst. Lichtstrahlen, die dann ins Auge fallen, finden ihren Brennpunkt dann nicht mehr genau auf der Netzhaut, sondern davor. Bis zum 30. Lebensjahr wachsen unsere Augäpfel. Je früher die Kurzsichtigkeit auftritt, desto gravierender kann sie sich entwickeln.

Grafische Darstellung eines gesunden und eines kurzsichtigen Auges[5]

Eigentlich erscheint uns Kurzsichtigkeit oft gar nicht als echte „Krankheit“. Denn Kurzsichtigkeit ist nicht gleich Kurzsichtigkeit. Ist sie gering ausgeprägt (bis etwa Minus 2-3 Dioptrien) lässt sie sich ohne weiteres etwa mit einer Sehhilfe korrigieren. Entwickelt sich aber eine starke Myopie (ab etwa Minus 6 Dioptrien), können sich häufig auch Folgebeschwerden entwickeln. Etwa ein Drittel der stark kurzsichtigen Patienten ist davon betroffen: unter ihnen sind Netzhautprobleme überdurchschnittlich verbreitet und auch grüner und grauer Star treten vermehrt auf. Frühzeitig zu erkennen, dass ein Kind eine Myopie entwickeln, hilft solche Risiken besser im Blick zu haben.[6]

Und vor allem: Je früher eine Sehstörung wie die Kurzsichtigkeit erkannt wird, desto besser sind die Behandlungschancen.

Regelmäßige Augenvorsorge: Schuljahresstart ist die perfekte Erinnerung

Gerade bei Schwierigkeiten in der Schule gilt es, daran zu denken, dass hinter den Anzeichen einer möglichen Lernschwäche doch eine Sehstörung stecken kann. Der regelmäßige Check bei Augen- oder Kinderarzt schafft Klarheit. Und weil sich Kinderaugen stetig entwickeln, ist es am besten, die Augenvorsorge regelmäßig zu wiederholen. Wir finden: Jeder neue Schuljahresstart ist eigentlich der perfekte Anlass für ein Seh-Screening und gehört auf die Checkliste nach den Ferien.

 

Weiterführende Informationen:

https://www.augenvorsorge.info/de/home

https://www.swr.de/wissen/kurzsichtigkeit-nimmt-dramatisch-zu/-/id=253126/did=21964320/nid=253126/1tzopiz/index.html

https://www.medizin.uni-tuebingen.de/uktmedia/Patienten/PDF_Archiv+/Patientenbrosch%C3%BCren/Augenklinik/Patienteninformation+Kurzsichtigkeit+Schaeffel+Ziemssen.pdf

 

Quellen:

[1] https://www.swr.de/wissen/kurzsichtigkeit-nimmt-dramatisch-zu/-/id=253126/did=21964320/nid=253126/1tzopiz/index.html

[2] https://www.swr.de/wissen/kurzsichtigkeit-nimmt-dramatisch-zu/-/id=253126/did=21964320/nid=253126/1tzopiz/index.html

[3] https://augenchirurgie.clinic/erkrankungen/kurzsichtigkeit-kinder aufgerufen am 5.8.2019

[4] https://www.medizin.uni-tuebingen.de/uktmedia/Patienten/PDF_Archiv+/Patientenbrosch%C3%BCren/Augenklinik/Patienteninformation+Kurzsichtigkeit+Schaeffel+Ziemssen.pdf aufgerufen am 5.8. 2018

[5] https://plusoptix.blog/2019/01/30/die-epidemie-der-kurzsichtigkeit/

[6] ebd.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.