Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl kurzsichtiger Menschen vor allem in den Industrieländern rasant angestiegen. Neben einer genetischen Disposition wird für diese Entwicklung ein geändertes Seh,- Lern- und Freizeitverhalten verantwortlich gemacht.

Was ist eine Kurzsichtigkeit?

Anders, als der Name es vielleicht vermuten lässt, kommt es beim Vorliegen einer Kurzsichtigkeit zu einem schlechten Sehen in der Ferne, im Nahbereich macht sich die Kurzsichtigkeit nicht bemerkbar.

Ursache für die Kurzsichtigkeit ist in den meisten Fällen ein zu lang gewachsenes Auge. Dadurch wird das Bild nicht exakt auf der Netzhaut abgebildet, sondern davor, sodass die Sehschärfe in der Ferne abnimmt.

Zur Korrektur einer Kurzsichtigkeit muss eine Brille verordnet werden.

Leider verschwindet eine Kurzsichtigkeit nicht wieder, denn wenn das Auge einmal länger geworden ist, als nötig, so wird es im Laufe des weiteren Lebens nicht wieder kürzer. Im Gegenteil neigt es eher dazu, weiter zu wachsen, sodass eine Kurzsichtigkeit häufig mit zunehmendem Alter fortschreitet.

In welchem Alter entwickelt sich eine Kurzsichtigkeit?

Die häufigste Form der Kurzsichtigkeit ist die „Schulmyopie“, die zum Zeitpunkt der Einschulung auffällig wird. Es gibt aber auch eine angeborene Form der Kurzsichtigkeit, die bereits im Kindesalter vorhanden ist und oft schon früh relativ stark ausgeprägt ist. Je früher eine Kurzsichtigkeit auftritt, desto höher sind gewöhnlich auch die erreichten Endwerte.

Das Kind selbst bemerkt nicht (oder erst spät), dass sein Sehen eingeschränkt ist, da es kein anderes Sehen kennt und im die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Auch ein langsames Fortschreiten einer Kurzsichtigkeit wird meist nicht wahrgenommen, da der Seheindruck schleichend schlechter wird. Häufig entwickeln die Kinder gute Kompensationsmechanismen, um ihr schlechtes Sehen auszugleichen. Sie bleiben in fremder Umgebung lieber an der Hand und in der sicheren Obhut der Eltern oder sie benötigen  mehr Zeit, um sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden.

Somit bemerken auch aufmerksame Eltern oft nicht, dass ihr Kind ein Sehproblem hat, weil sie das Verhalten ihres Kindes z.B. als Schüchternheit interpretieren.

Ist Kurzsichtigkeit vererblich?

Die Wahrscheinlichkeit für ein Kind, eine Kurzsichtigkeit zu entwickeln, steigt mit der Anzahl kurzsichtiger Elternteile. Andererseits aber gibt es viele kurzsichtige Kinder, deren Eltern nicht kurzsichtig sind.

Dass der Anteil der Kurzsichtigen vor allem in den Industrienationen seit Jahrzehnten weltweit zunimmt, wird den veränderten Lebensbedingungen in unserem medial geprägten Zeitalter zugeschrieben.

Gibt es Möglichkeiten, die Entstehung und das Fortschreiten einer Kurzsichtigkeit zu verhindern??

Man kann eine bereits bestehende Kurzsichtigkeit nicht mehr umkehren, aber es gibt Möglichkeiten, das Fortschreiten zu bremsen.

„Eine geringe Tageslichtexposition lässt das Risiko einer Kurzsichtigkeit um das 5fache ansteigen, zusätzliche Tätigkeiten bei kurzer Sehentfernung erhöhen das Risiko zusätzlich auf das bis zu 16fache. Sind Kinder mehr als 2 Stunden täglich Tageslicht ausgesetzt, sinkt das Myopierisiko.“ [1]  „Es ist somit der Gesundheit zuträglich, wenn sich Kinder mindestens zwei Stunden täglich bei Tageslicht im Freien aufhalten, das wirkt auch einer Kurzsichtigkeit entgegen!“[2]

Ebenso wird die vermehrte und intensive Nutzung der digitalen Medien bei kurzer Sehentfernung bereits im Kleinkindalter ursächlich für die Zunahme der Kurzsichtigkeiten verantwortlich gemacht.

„Der ständige Blick auf den Screen kann kindliche Augen reizen, ermüden und austrocknen. Auch steht der abendliche Griff zu Smartphone & Co in Verdacht, Schlafstörungen auszulösen. Der hohe Blaulichtanteil der Bildschirme hemmt die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das schläfrig macht.

Aus  augenärztlicher Sicht sind PC, Smartphone oder Tablet für Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren gänzlich ungeeignet. Für Vier- bis Sechsjährige empfiehlt auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine tägliche Nutzungsdauer von bis zu 30 Minuten. [2]

Die beste Therapie: frühzeitige Vorsorge

Nur wenn frühzeitig im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen eine Kurzsichtigkeit erkannt wird, kann auch frühzeitig mit der notwendigen Behandlung begonnen werden.

Je früher das Kind mit einer Brille versorgt wird, desto besser sind seine Chancen für eine altersentsprechende Sehentwicklung.

In manchen Fällen kann der Augenarzt auch Augentropfen, spezielle Brillengläser oder Kontaktlinsen verordnen, um die Myopie auszugleichen und um das weitere Fortschreiten der Kurzsichtigkeit zu hemmen.

Je früher das Kind in augenärztliche Behandlung überwiesen wird, desto besser sind seine Aussichten, mittels gezielter Therapie sein bestmöglichstes Sehen zu entwickeln.

Mehr Informationen zum Thema Augenvorsorge gibt es unter: www.augenvorsorge.info

Weitere Informationen zu unserem Vision Screening findet ihr unter: www.plusoptix.com/de/vision-screener-de/landing

Bis zum nächsten Mal !

Euer Plusoptix Team

 

Folgende Blogeinträge könnten euch auch interessieren:

Augenvorsorge bei Kindern: frühzeitige Erkennung von Sehstörungen ist entscheidend

Unentdeckte Sehstörung – Die Auswirkungen sind tragisch

[1] Dtsch. Ärzteblatt Int 2017; 114:575-80. Prof. Dr. med. Wolf A. Lagrèze, Schaeffel F: Preventing myopia

[2] Prof. Dr. Nicole Eter auf der DOG 2018, Direktorin der Klinik für Augenheilkunde der Universität Münster

Eine Antwort auf „Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.