Gerätebasiertes Amblyopiescreening: Sehstörungen bei Kindern sicher entdecken

Gerätebasiertes Amblyopiescreening: Sehstörungen bei Kindern sicher entdecken – Im Gespräch mit Kinderarzt Dr. Andreas Baumann aus Öhringen

In der Praxis, die Dr. Andreas Baumann mit seinem Kollegen Dr. Robert Wagner und seiner Kollegin Dr. Anja Hauser im nordwürttembergischen Öhringen betreibt, kommen jedes Quartal rund 4.500 Patienten. Das Einzugsgebiet ist groß – die ganze Region im Jagsttal rund um Künzelsau und Bad Mergentheim aber sehr klein. Kinderärzte gibt es nur wenig. „Nicht wenige unserer Patienten müssen für einen Besuch beim Kinderarzt 40 Kilometer fahren“, berichtet Andreas Baumann, als wir ihn um einen Einblick in den Praxisalltag bitten. Dann schildert er, wie seine Kollegen und er die Augenvorsorge für ihre Patienten vornehmen.

Augenvorsorge schon für die Kleinsten: Amblyopiescreening ab der U5

In seiner Praxis erlebt Dr. Baumann oft, dass eine Augenvorsorgeuntersuchung nur dann gut funktioniert, wenn die Kinder mitarbeiten – wie etwa beim Benennen der Symbole während des Visustests. Doch dafür müssen die kleinen Patienten „gut herschauen“, um zuverlässig untersucht werden zu können.  „Die ganz kleinen Kinder können bei einer Augenuntersuchung noch gar nicht richtig kooperieren. Das Mitmachen funktioniert eigentlich erst ab der U7a (mit rund drei Jahren) so richtig – und bei manchen auch dann noch nicht. Aber von der Entwicklung her ist dann das Meiste schon abgeschlossen“, erläutert Dr. Baumann die Schwierigkeit einer wirksamen Augenvorsorge.

Da die Entwicklung des Sehens von allem in den ersten drei Lebensjahren stattfindet, ist es wichtig, etwaige Sehstörungen frühzeitig zu entdecken – weit bevor die meisten Kinder sprechen können. Moderne Messgeräte, wie der Vision Screener von Plusoptix unterstützen dabei: „Bei kleinen Kindern Sehstörungen sicher erkennen – das klappt vor allem dank des gerätebasierten Ambylopiescreenings.“

Plusoptix Amblyopiescreening
Amblyopiescreening mit dem Vision Screener von Plusoptix

 

Objektive Daten und Bildaufnahme geben Sicherheit

Die Basis für eine Diagnose ist natürlich stets der Gesamteindruck, den der Arzt vom Kind hat. Zusätzliche Sicherheit gibt es aber,  die Messergebnisse als objektive Daten und die Bildaufnahme der Augen des Kindes vorliegen zu haben. Deshalb arbeitet die Kinderarztpraxis in Öhringen schon seit 2006 mit dem Vision Screener. Das gerätebasierte Amblyopiescreening ist in diesen bereits 13 Jahren ein fester Bestandteil der Augenvorsorgeuntersuchungen geworden.

Die Handhabung des Gerätes empfinden die Öhringer Kinderärzte als unkompliziert. „Die Messung wird als vorbereitende Maßnahme zur Vorsorgeuntersuchung gemacht. In unserer Praxis übernehmen wir Ärzte wie auch die medizinischen Fachangestellten das Screening ohne Probleme.“ Dr. Baumann und seine ärztlichen Kollegen nutzen dann die Messergebnisse, zusammen mit dem Screeningergebnis „Auffällig“ oder „Unauffällig“, als zusätzliche Information, um über eine Überweisung zum Augenarzt zu entscheiden.

Das „Sehen lernen“ begleiten: Ambylopiescreening regelmäßig wiederholen

Da sich die Augen mit dem Wachstum verändern und Sehstörungen neu auftreten können, muss das Amblyopiescreening in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Die Kinderarztpraxis in Öhringen bietet ihren Patienten diese Art der begleitenden Augenvorsorge als „Flatrate“ für regelmäßige Screenings an – von der U5 bis zur U9. Denn das gesunde Sehen ist auch entscheidend für Entwicklung weiterer Fähigkeiten: zum Beispiel für eine gute Motorik, also Bewegungstechnik des Kindes. Gesundes Sehen ist die Basis für viele weitere Fähigkeiten      

„Im Idealfall finden wir die Sehstörung so früh, dass noch keine Auswirkungen auf die Entwicklung spürbar sind. Das heißt, am besten im Alter von sechs Monaten.

Bei Kindern, deren Sehstörung doch erst später entdeckt wurde, stellen wir nach der Behandlung der Sehstörung oft fest: Deren Feinmotorik hat sich positiv entwickelt. Natürlich lässt sich das aber nicht immer direkt an einem einzigen Grund festmachen, denn bei Kindern in diesem Alter sind die Entwicklungsunterschiede und die Schritte sprunghaft.“

Die Ergebnisse des Amblyopiescreenings können dabei helfen, den Entwicklungsstand eines Kindes richtig einzuschätzen: Ist es mit manchen Schritten einfach nur „etwas später dran“, oder gibt es eine Sehstörung, die es ihm schwer macht? Das von außen zu erkennen, ist nicht immer einfach.

Sehstörungen bei Kindern werden im Alltag oft nicht bemerkt

Wie unauffällig das Verhalten von Kindern selbst mit schwerwiegenden Sehstörungen im Alltag sein können, hat Dr. Baumann in seiner langjährigen Erfahrung selbst erlebt: „Als wir 2006 mit den Screenings begannen, stieg hier die Zahl der Säuglinge und Kleinkinder, die eine Brille bekamen, stark an – zuvor waren viele Sehstörungen im Alltag nicht aufgefallen,“ Sehstörungen wie Schielen, unterschiedliche Sehkraft der beiden Augen, sowie starke Kurz- oder Weitsichtigkeit) sind bei Kindern bis vier Jahren keine Seltenheit: Eines von fünf Kleinkindern weist eine solche Sehstörung auf, die sich ohne rechtzeitige Behandlung zu einer Amblyopie entwickeln kann.

Doch auch noch bei älteren Kindern wird so manche Sehstörung lange übersehen. Dies erlebte Dr. Baumann bei einem Kindergartenkind: „Einer der beeindruckendsten Fälle für mich ist ein Junge, der im Alter von vier Jahren zur Vorsorge kam. Bei ihm war zuvor nichts in Richtung einer Sehstörung aufgefallen. Beim Screening erhielten wir ein Ergebnis „außerhalb des Messbereichs“ – also ganz klar auffällig. Wir überwiesen ihn in fachärztliche Behandlung und erhielten später einen Brief von der Augenärztin. Sie dankte uns, dafür dass wir das entdeckt haben und berichtete, dass der Junge in der Tat sehr weitsichtig war (+10 Dioptrien). Den Eltern und auch im Kindergarten war das im Alltag gar nicht aufgefallen“, berichtet Andreas Baumann. „Zum Glück ist das ein Einzelfall. Am besten erkennen wir so etwas schon früher.“

Wart Ihr mit Eurem Kind schon bei der Augenvorsorge? Sehstörungen lassen sich am besten erfolgreich behandeln, wenn sie frühzeitig entdeckt werden. Weitere Einzelheiten dazu:  www.augenvorsorge.info

Weiterführende Informationen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.