Schwachsichtigkeit: Gerätebasiertes Amblyopiescreening in der Kinderarztpraxis

Die Augen sind das wichtigste Sinnesorgan des Menschen, denn 80% aller Sinneseindrücke nehmen über unsere Augen auf. Neugeborene müssen das Sehen ebenso erlernen wie Laufen und Sprechen. Die Fortschritte bei den ersten Gehversuchen oder den ersten Worten erleben die Eltern täglich mit. Wie und was ein Kind sieht, bleibt den Eltern und oft auch dem Kinderarzt verborgen.

Das Risiko unerkannter Sehstörungen

Werden Sehstörungen aber zu spät erkannt und nicht rechtzeitig korrigiert, kann eine Amblyopie (Schwachsichtigkeit) entstehen. Bei 20% aller Kleinkinder bestehen Risikofaktoren, die ohne frühzeitige Erkennung zu einer Amblyopie führen können. Eine unbehandelte Amblyopie führt zu einer lebenslangen Einschränkung des Sehvermögens, die nicht mehr therapiert werden kann. 5,6% aller Erwachsenen in Deutschland leiden unter einer Amblyopie. Ihnen ist die Ausübung vieler Berufe, wie z.B. Berufskraftfahrer, die Tätigkeit auf Baustellen, oder bei Polizei und Feuerwehr verwehrt. Damit Sehstörungen rechtzeitig erkannt werden, empfiehlt die Kinderrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses  zur Augenvorsorge in der Kinderarztpraxis bereits ab der Vorsorgeuntersuchung U2 die Prüfung der Augen auf Transilluminationsauffälligkeiten im durchfallenden Licht – dem so genannten Durchleuchtungstest.

Blendfreie Untersuchung dank moderner Technik

Dieser hilft dabei, etwaige Trübungen im Auge zu entdecken. Bei dieser Untersuchung wird ein Lichtstrahl ins Auge projiziert und von der Netzhaut reflektiert. Der Lichtstrahl durch- bzw. beleuchtet den zentralen Teil der Hornhaut, der Linse, des Glaskörpers und der Netzhaut.

Nutzt der Arzt dafür ein Ophthalmoskop mit einem sichtbaren Lichtstrahl, kann das Kind geblendet werden. Dies kann zum einen dazu führen, dass das Kleinkind sich wehrt. Zum anderen verkleinert sich die Pupille während dieser Untersuchung. Dabei wird der Lichtstrahl und somit auch der Sichtbereich durch die Pupillengröße begrenzt.

Schnittzeichnung Auge Transillumination
Eine größere Öffnung der Pupille eröffnet einen größeren Sichtbereich

Im Unterschied dazu verwenden moderne Geräte zur Amblyopie-Vorsorge, wie der Plusoptix Vision Screener infrarotes Licht für den Durchleuchtungstest, welches auch im Sonnenlicht oder im Licht von z.B. Glühlampen enthalten ist. Plusoptix Infrarotlicht ist unsichtbar und für das menschliche Auge vollkommen ungefährlich.

Zudem entsteht keine Blendung, die Pupillen bleiben weit und es kommt zu keinen Abwehrreaktionen. Weite Pupillen vergrößern den Sichtbereich und erleichtern so die Untersuchung.

 

Durch den viel größeren Sicht- und Untersuchungsbereich fallen Trübungen, die sich etwas abseits der Augenmitte befinden, leichter auf. Bei beidseitigen Trübungen kann ein kleinerer Untersuchungsbereich zu Fehleinschätzungen führen, da in einer kleinen Pupille die zentralen, einsehbaren Bereiche des Auges gleichmäßig verschattet sind.

Ein größerer Untersuchungsbereich ermöglicht die Früherkennung nicht nur zentraler, sondern auch peripherer Transilluminationsauffälligkeiten, lange bevor sich diese in die Augenmitte ausbreiten. a) Beispiel einer zentralen Transilluminationsauffälligkeit im rechten Auge. b) Beispiel einer peripheren Transilluminationsauffälligkeit im rechten Auge c) Beispiel einer binokularen, zentralen Transilluminationsauffälligkeit in großen Pupillen d) Veranschaulichung derselben binokularen, zentralen Transilluminations-auffälligkeit in kleinen Pupillen.

Einfache Messung mit objektiven Ergebnisdaten

Die Untersuchung ist einfach und schnell durchzuführen und kann von Medizinischen Fachangestellten vorgenommen werden. Die Bildaufnahme und die Messwerte werden gespeichert und stehen im weiteren Verlauf der Behandlung und auch Überweisungen zur Verfügung.

Um die im Vergleich zum direkten Ophthalmoskop höheren Anschaffungskosten eines Amblyopie-Screening-Gerätes zu decken, erstatten viele GKV bis zu 20 EUR und PKV bis zu 25 EUR pro Untersuchung. Aktuelle Informationen zur Kostenerstattung durch Krankenkassen sind bei der BVKJ Servicegesellschaft erhältlich.

Weiterführende Informationen: https://plusoptix.com/de/vision-screener-de

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