Endlich Schule! – Gutes Sehen ist wichtig für den Schulerfolg und für die Lust am Lernen

Die Sommerferien sind fast zu Ende und bei den angehenden Erstklässlern kommt Vorfreude auf – endlich Schule! Aus dem Kindergartenkind wird ein Schulkind und es gibt viel Neues zu erleben und zu lernen. Das Sehen spielt auf diesem neuen Weg eine große Rolle, denn 90% der Sinneseindrücke nehmen wir über die Augen auf.[1]

Umso bedenklicher also, dass bei jedem fünften Kleinkind eine Sehstörung besteht, die ohne frühzeitige Erkennung meist zu einer Schwachsichtigkeit führt. [2] Augenärzte warnen, dass die Sehstörung in 60% der Fälle zu spät erkannt wird, um den bestmöglichsten Behandlungserfolg zu erzielen.[3] Sie kritisieren deshalb oft das Vorsorgesystem in Deutschland und plädieren für eine flächendeckende frühzeitige Augenvorsorge[4].

Immer wieder zeigt sich also erst mit Schulbeginn – wenn die Ausbildung des kindlichen Sehens weitestgehend abgeschlossen ist –, dass ein Kind eine Sehstörung, oder sogar schon eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie) entwickelt hat. Eine Sehstörung muss aber frühzeitig erkannt werden, um den bestmöglichsten Behandlungserfolg garantieren zu können. Wenn das Kind in die Schule kommt, ist es also schon höchste Zeit.

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Was bedeutet das für den Schulstart? Woran können Lehrerinnen und Lehrer erkennen, dass unter den Kindern in ihrer Klasse eines ist, dem das Sehen Schwierigkeiten bereitet? Wie können sie helfen und fördern?

Darüber hat Plusoptix mit zwei Expertinnen gesprochen: mit Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), die selbst lange Jahre als Lehrerin und Lernpsychologin tätig war und auch eine Grundschule leitete; und mit Johanna Branß, die gerade ins fünfte Semester ihres Studiums der Sonderpädagogik in Würzburg startet und regelmäßig Kinder mit Lernbeeinträchtigungen unterrichtet.

Beide sind sich einig: Der Schulstart ist ein wichtiger Zeitpunkt und Probleme, wie zum Beispiel eine Sehstörung, müssen schnell erkannt und beherzt gelöst werden.

 

Für einen positiven Start: lieber etwas „Action“, als ein ungelöstes Problem

Die Präsidentin des BLLV, Simone Fleischmann, setzt sich dafür ein, dass Lehrer sich die nötige Zeit für die Kinder nehmen können. Sie unterstreicht, dass sich der Aufwand an dieser Stelle lohnt: “Wir wollen nicht, dass die Schulzeit schlecht startet, denn dann droht eine eigentlich kleine Beeinträchtigung, etwa eine Sehstörung, zu einem großen Thema zu werden.“

Kinder zweifeln leicht an sich selbst und an ihrer Fähigkeit zu lernen. Wenn das Selbstbewusstsein erst einmal beschädigt ist, wird es sehr viel schwieriger, die Kinder psychisch aufzubauen. Fleischmann fährt fort: „Wenn wir aber die Beeinträchtigung rechtzeitig erkennen und uns gut darum kümmern, und sich die Kinder außerdem in einem guten Umfeld befinden, dann kann das Kind positiv starten, weil es ja erlebt hat: Dieses Problem ist jetzt gelöst.“

Johanna Branß berichtet von einem solchen Beispiel: „Während eines Praktikums an einer Regelgrundschule lernte ich eine Drittklässlerin kennen. Ein aufgewecktes Mädchen mit Leistungen, wie sie in der dritten Klasse üblich sind. Mir war ihre ungewöhnlich starke Brille aufgefallen. Die Klassenlehrerin erzählte, dass diese Brille das Schulleben des Mädchens dramatisch zum Guten verändert hatte. Zuvor war das Kind wenig motiviert, hatte Schwierigkeiten mit dem Lernen und überhaupt eine schlechte Einstellung zur Schule. Als klar war, dass das Problem im Sehen lag und eine Brille endlich Abhilfe geschaffen hatte, holte die Schülerin die Defizite auf und konnte gut zur Leistung ihrer Altersgenossen aufschließen.“

Aber wie kommt es, dass mit Schulbeginn Sehstörungen vermehrt aufzutreten scheinen?

Ein Schulkind muss anders sehen können als ein Kindergartenkind

Beim freien Spiel im Kindergarten können die Kinder aussuchen, was sie tun möchten. Meist tun sie, was sie gut können und was ihnen Spaß macht. Unangenehme Situationen vermeiden sie. „In der Schule gibt es dann keinen Ausweg mehr.“, erklärt Johanna Branß. „Manche Sachen müssen einfach gemacht werden. Es passiert, dass die Probleme im Erkennen von Zahlen, Buchstaben oder Figuren an einer Tafel erst zu diesem Zeitpunkt auffallen.“  Beispielsweise wenn das Kind zufällig bei einer Gruppenarbeit in der letzten Reihe sitzt.

„Es geht darum, die Störung zu entdecken, und dann richtig auf das Kind einzugehen, damit es beim Lernen nicht zu stark von seiner Sehstörung beeinträchtigt wird,“ erklärt Simone Fleischmann. Sie betont auch die Bedeutung der Vernetzung zwischen Lehrern von Grundschulen und Förderschulen. Denn in der Ausbildung von Grundschullehrern ist wenig Raum für den gezielten Umgang mit Wahrnehmungsstörungen bei Kindern. 

Genau beobachten:  Unlust? Lernschwäche? Oder doch Sehstörung?

Johanna Branß beschäftigt sich in ihrem Studium der Sonderpädagogik genau diese Detailarbeit. Sie weiß, dass viele Störungen sich zunächst ähnlich zeigen. Man muss versuchen, möglichst genau zu erkennen, ob es um eine Wahrnehmungsstörung, eine Lese- und Rechtschreibschwäche (Legasthenie) oder eine Rechenschwäche (Dyskalkulie) handelt.  „Wir Sonderpädagogen lernen zu erkennen, was darauf hindeutet, dass ein Kind ein Problem mit der visuellen Wahrnehmung hat. Schaut es mehr in die Hefte der Nachbarn als an die Tafel? Werden die Buchstaben beim Lesen und Schreiben in der Reihenfolge vertauscht? Erkennt das Kind die Abstände zwischen den Wörtern? Hat es Probleme, einen an die Tafel gezeichneten Würfel als dreidimensional zu erkennen?“ Auch beim Sport kann sich eine Sehstörung äußern, wenn das Kind zum Beispiel nicht rechtzeitig mit den Händen reagiert, um einen Ball zu fangen. Mit genauer Beobachtung kommen die Lehrer der Diagnose und damit auch der gezielten Förderung des Kindes näher.

Kinder mit Sehstörungen ihren Lernerfolg erleben lassen

An Förderschulen wie der, an der Johanna Branß derzeit unterrichtet, gibt es auch Kinder, deren Sehstörung nicht durch eine Sehhilfe ausgeglichen werden kann. Dennoch kann der Lehrer wichtige Maßnahmen ergreifen: „Einem Kind, das schlecht sieht, hilft es zunächst, wenn es nach vorne in die erste Reihe sitzen darf oder wenn Zeichen und Formen auf Arbeitsblättern vergrößert sind. Eventuell ist es im beim Lesen lernen nützlich, größere Abstände zwischen Wörtern oder Zeilen zu setzen“, zählt Johanna Branß auf.

Es sind kleine Schritte, die aber auf psychologischer Ebene wirken: Das Kind kann Erfolge erleben und Vertrauen in seine Fähigkeiten gewinnen.

Die Suche nach der richtigen Diagnose ist von großer Bedeutung für die richtige Unterstützung.  Und nicht nur das: Je früher eine Sehstörung entdeckt wird, desto besser sind auch die Behandlungschancen. Wart Ihr schon bei der Augenvorsorge?

Die erste Augenvorsorge sollte noch vor dem ersten Geburtstag durchgeführt werden. Da Sehstörungen sich auch erst im Laufe des Wachstums entwickeln können, sollte die Augenvorsorge regelmäßig wiederholt werden. Mit dem Plusoptix Vision Screener können Sehstörungen bereits ab dem fünften Lebensmonat entdeckt werden.

 

[1] „Mehr als 90 Prozent aller Sinneseindrücke nehmen wir über unsere Augen auf, mehr als 80 Prozent unseres Wissens erhalten wir mit ihrer Hilfe und zu mehr als 70 Prozent aller Aktivitäten regen sie uns an.“ unter https://augeninfo.de/cms/hauptmenu/gesunde-augen/junge-augen-schuetzen-vorsorge-bei-kindern.html (aufgerufen am 17.07.2018)

[2] Donahue SP, Arthur B, Neely DE, Arnold RW, Silbert D, Rubin JR.

Guidelines for automated preschool vision screening: A 10-year, evidence-based update. J AAPOS. 2013;17(1):4-8.

[3] https://augeninfo.de/cms/hauptmenu/gesunde-augen/junge-augen-schuetzen-vorsorge-bei-kindern.html (aufgerufen am 17.07.2018)

[4] https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-0584-9264 (aufgerufen am 17.07.2018) und https://www.augenaerzte-pasing.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/07/Kipra_6_2012_Ehrt_Amblyopie.pdf (aufgerufen am 17.07.2018)

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