Schielen ist bei Kindern ein Risikozeichen

 Manche Babys schielen in der ersten Zeit, bis sich die Koordination der Augen eingespielt hat. In den ersten Lebensmonaten gilt dieses sogenannte „Babyschielen“ auch noch als normal. Doch nach einem bestimmten Alter birgt das Schielen ernsthafte Risiken für die Augen. Der „niedliche Silberblick“ ist alles andere als harmlos. In unserem neuesten Blogpost bieten wir einen Überblick dazu und haben die Orthoptistin Christa Kampf gebeten, uns Näheres dazu zu erklären .

Allgemeine Informationen zur Augenvorsorge findet Ihr unter www.augenvorsorge.info

Wenn Babys auf die Welt kommen, müssen sie das Sehen erst noch lernen.  Am Anfang ist es für sie oft noch schwierig, die Bewegung beider Augen richtig zu koordinieren und Gegenstände zu fixieren. Deshalb schielen Babys manchmal. Tritt Schielen (Strabismus) in den ersten Monaten zeitweise auf, ist dies noch kein Grund zur Beunruhigung. Es handelt sich wahrscheinlich um das sogenannte Babyschielen. Aber Eltern sollten darauf achten, wie sich das Schielen weiterentwickelt – tritt es seltener auf, oder schielt das Kind weiterhin?

 

Plusoptix Blog__Arten des Schielens (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schielformen.gif)
Die verschiedenen Schielformen (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schielformen.gif)

 

Schielt ein Kind nach dem sechsten Lebensmonat, ist Wachsamkeit angesagt

Es ist ratsam, mit Kindern, die nach dem sechsten Lebensmonat noch schielen, beim Augenarzt vorzustellen – insbesondere dann, wenn auch die Eltern selbst eine Sehstörung haben oder in der Kindheit hatten. In den meisten Augenarztpraxen gibt es Sehschulen, in denen eigens ausgebildete Orthoptistinnen arbeiten. Christa Kampf, ist eine solche Orthoptistin, die schon seit den 1970er Jahren in einer Augenarztpraxis Kinder untersucht und deren Sehstörungen auch behandelt. Sie erklärt: „Bis zu einem Alter von acht Monaten kann das zeitweise Schielen durchaus noch normal sein – danach nicht mehr.“

Zusammenhang von Schielen und Fehlsichtigkeit

Es kann auch passieren, dass ein starker Unterschied in der Brechkraft der beiden Augen besteht (Anisometropie) und ein Auge wesentlich besser sieht, als das andere. Auch das kann in Verbindung mit dem Schielen stehen, erläutert Christa Kampf: „Wenn ein Auge nicht sieht, kippt es irgendwann in die Ruhelage. Deshalb passiert es – manchmal auch in einem späteren Alter –, dass ein Kind plötzlich zu schielen beginnt.“  Ähnlich kann dies auch bei einer starken beidseitigen Weitsichtigkeit auftreten.

Quelle: Elflein HM, Fresenius S, Lamparter J, Pitz S, Pfeiffer N, Binder H, Wild P,Mirshahi A: The prevalence of amblyopia in Germany-data from the prospective, population-based Gutenberg Health Study. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 338-44. DOI: 10.3238/arztebl.2015.0338

Plusoptix Blog_Diagramm Die häufigsten Ursachen für eineAmblyopie
 Eine Amblyopie geht bei 49 % der Betroffenen auf eine unterschiedliche Brechkraft beider Augen (Anisometropie) zurück, bei 23 % auf Schielen, bei 17 % auf Schielen und Anisometropie, bei 11 % auf andere Ursachen. Bildquelle: [i]

Bleibt Schielen unbehandelt, droht eine Amblyopie

Wird gegen das Schielen nichts unternommen, entwickelt sich in 90% der Fälle eine Amblyopie (Schwachsichtigkeit).[ii] Wird diese Amblyopie nicht rechtzeitig behandelt, bleibt sie lebenslang bestehen. „Die Amblyopie des Auges ist eine Sehschwäche, die nicht durch eine Brille ausgeglichen werden kann. Sie entsteht durch das Nicht-Benutzen eines Auges. Wenn etwa durch Schielen Doppelbilder an das Gehirn geliefert werden, oder wenn ein Auge aufgrund eines Brechungsfehlers unscharfe Bilder liefert, wird das andere scharf sehende Auge bevorzugt benutzt. Das schwächere Auge wird am Sehen nicht mehr beteiligt“, erklärt Christa Kampf. So kann es passieren, dass ein eigentlich gesundes Auge einfach „abgeschaltet“ wird. Räumliches Sehen kann sich dann nicht entwickeln, denn hierfür muss das Kind das beidäugige Sehen erlernen.

Frühzeitige Vorsorge bringt beste Behandlungschancen
Mit Amblyopie-Screening beim Kinderarzt starten

„Je früher eine Sehstörung behandelt wird, desto besser kann auch eine Amblyopie geheilt, beziehungsweise sogar vorgebeugt werden“. Auch räumliches Sehen kann noch erlernt werden. Denn die Lernfähigkeit ist im Baby- und Kleinkindalter am höchsten und die meisten Sehstörungen sind gut korrigierbar. Voraussetzung ist, dass die Sehstörung rechtzeitig erkannt wird. Am besten in den ersten beiden Lebensjahren, denn in vor allem diesem Zeitraum bildet sich die Sehschärfe aus.[iii]

Eine gute Möglichkeit der Früherkennung von Sehstörungen ist das gerätebasierte Amblyopie-Screening (Plusoptix-Test). Dieses wird von zahlreiche Kinderarztpraxen angeboten und auch bereits von vielen Krankenkassen bezahlt. Hierbei erhält der Kinderarzt objektive Messergebnisse, die mit den Normalwerten der Altersgruppe abgeglichen werden – und das bereits ab dem fünften Lebensmonat. Kinder, bei denen die Messwerte von den Normalwerten der Altersgruppe abweichen und das Ergebnis „Auffällig“ angezeigt wird, sollen an einen Augenarzt überwiesen werden.

Weiterführende Informationen:

www.augenvorsorge.info

[i] Quelle: Elflein HM, Fresenius S, Lamparter J, Pitz S, Pfeiffer N, Binder H, Wild P,Mirshahi A: The prevalence of amblyopia in Germany-data from the prospective, population-based Gutenberg Health Study. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 338-44. DOI: 10.3238/arztebl.2015.0338

[ii] https://www.uksh.de/augenklinik-luebeck/Informationen+f%C3%BCr+Patienten/Augenerkrankungen/Schielen+und+Amblyopie.html aufgerufen am 14.05.2018.

[iii] https://www.uksh.de/augenklinik-luebeck/Informationen+f%C3%BCr+Patienten/Augenerkrankungen/Schielen+und+Amblyopie.html aufgerufen am 14.05.2018.

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